Samstag, 7. Oktober 2017

Rezension: "GötterFunke - Hasse mich nicht" von Marah Woolf

Daten zum Buch:
erschienen am: 25. September 2017
Verlag: Dressler
ISBN: 9783791500416
464 Seiten
Preis: 18,99 € (HC)
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Zum Inhalt:
Im Sommercamp hat Cayden Jess das Herz gebrochen, als er mit ihrer besten Freundin Robyn geschlafen hat. Nun leidet sie schon seit Wochen unter heftigem Liebeskummer und ist froh, den Titan und all die anderen griechischen Götter nicht mehr sehen zu müssen. Doch am ersten Schultag trifft sie wieder auf Hera, Zeus, Athene, Apoll und ... Cayden! Die Götter sind nun in Monterey und gehen auf ihre Schule. Das hat Jess gerade noch gefehlt!

Sind die Götter wirklich gekommen, um Jess vor Agrios zu schützen? Oder steckt mehr dahinter? Ist Cayden wirklich an ihr interessiert oder versucht er sie nur zu verführen? Denn als Diafani hat Jess ungeahnte Kräfte, die im Kampf der Götter nützlich sein könnten.

Meine Meinung:
"GötterFunke - Hasse mich nicht" ist der zweite Teil der Trilogie um Cayden und Jess.  "GötterFunke - Liebe mich nicht" hat mir bereits sehr gut gefallen. Ich mag Marah Woolfs lebendigen und unterhaltsamen Schreibstil. 

Die Geschichte wird aus Jess' Sicht erzählt und so hat man tiefe Einblicke in das Gefühlschaos einer 17jährigen, die nicht nur mit heftigem Liebeskummer und häuslichen Problemen kämpft, sondern auch in eine mystische Welt hineingeworfen wird und ständig in Lebensgefahr schwebt. 

Der zweite Teil spielt nun in Jess' Zuhause, Monterey, und man lernt nun auch ihre kleine Schwester und ihre alkoholkranke Mutter besser kennen. Das fand ich sehr gut, denn die bereits im ersten Band erwähnte Problematik mit Jess' Mutter wird hier ausführlich herausgearbeitet. Neben Jess' Liebeskummer mit Cayden ist die gestörte Beziehung zu ihrer Mutter und deren langsame Genesung ein weiteres emotionales Abenteuer. Man erlebt nun, wie stark Jess eigentlich wirklich ist und was sie alles für ihre Familie leistet. Ich mochte Jess sowieso schon von Anfang an, aber in diesem Band ist sie sogar noch sympathischer. 

Dennoch habe ich Kritik an ihrer Figur: Da mich Jess' heftige Schwärmerei für Cayden im ersten Band sehr genervt hat, war ich froh, dass sie nun recht abweisend ihm gegenüber war. Aber natürlich hielt das nicht lange, und es gab viele Szenen zwischen den beiden, die mich irgendwann auch leicht genervt haben. An Cayden nervte mich, dass er immer plötzlich da war und den großen Beschützer spielte, ordentlich Süßholz raspelte und Jess sogar verbieten wollte, etwas mit anderen Jungs anzufangen, jedoch selbst ständig mit anderen Mädchen rumgemacht hat. Aber der ständige Partnerwechsel scheint an dieser High School absolut üblich zu sein...

An Jess hat mich geärgert, dass sie gegenüber ihrer ehemals besten Freundin Robyn, die sich zum unausstehlichen Biest gewandelt hat, viel zu gutmütig ist, und dass sie sich ständig von Cayden um den Finger wickeln ließ (nach anfänglichem Widerstand) und dann trotzdem immer rumgejammert hat, dass er es nicht ernst mit ihr meint. Das war zwar einerseits verständlich, da sie in diesem Band von der Wette erfährt und dass Cayden schon seit Jahrhunderten mit Mädchen spielt und sie fallen lässt. Aber es ist doch wirklich offensichtlich an Caydens Verhalten und Worten, dass sie ihm sehr wichtig ist. Vermutlich ist das aber der Punkt, an dem mir mein nicht mehr ganz so jugendliches Alter den Spaß an der Sache vergrätzt. Ich denke schon, dass die eigentliche Zielgruppe an diesem jugendlichen Hin und Her und Geseufze und Gejammer durchaus Gefallen findet. Für mich war es aber eine Spur too much.

Neben den beiden Protagonisten trifft man auf vertraute Figuren und lernt neue kennen, sowohl bei den Menschen als auch bei den mythischen Wesen. Bei manchen ist klar, auf welcher Seite sie stehen, bei manchen weiß man aber nicht, woran man ist. Das hält natürlich die Spannung aufrecht. 

Mir hat es besonders Spaß gemacht, mit Jess zusammen die Parallelwelt Mytikas kennenzulernen. Überhaupt liegt für mich der Reiz der Geschichte darin, dass Marah Woolf die griechische Mythologie in die heutige Zeit transportiert hat. Ich finde, dies ist ihr gut gelungen, und man merkt richtig ihre Begeisterung für die Antike. Und für diejenigen, die bislang noch nichts über die alten Griechen wussten, gibt es ein ausführliches Glossar im Anhang.

Dieser Teil endet mit einem sehr bösen Cliffhanger, was ich ja bei Reihen nicht sonderlich mag. Allerdings ist auch hier wieder eine 10-seitige Leseprobe des Folgebandes dabei, in der die wichtigste Frage gleich geklärt wird, so dass man einigermaßen zufrieden das Buch zuschlagen kann. Ich bin jedoch wahnsinnig gespannt, was im finalen Band passiert, der leider erst im Frühjahr 2018 erscheinen wird, denn es verspricht sehr spannend zu werden!

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an die Netzwerk Agentur Bookmark für dieses Rezensionsexemplar und Marah Woolf für die Betreuung der Leserunde auf LovelyBooks!

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Hier geht's zur meiner Rezension von "GötterFunke - Liebe mich nicht", dem 1. Teil der Reihe!

Dienstag, 3. Oktober 2017

Neuzugänge

Ich weiß auch nicht, wieso ich es nicht regelmäßiger schaffe, meine Neuzugänge zu posten. Echt frustrierend... Aber heute am Feiertag kriege ich dann doch wieder mal den müden Blogger-Arsch hoch. ;-)

Rezensionsexemplare


- Adrienne Friedlaender, "Willkommen bei den Friedlaenders! Meine Familie, ein Flüchtling und kein Plan (Bloggerportal von Randomhouse)
- Abigail Tucker, "Der Tiger in der guten Stube. Wie die Katzen erst uns und dann die ganze Welt eroberten" (von Literaturtest.de erhalten)
- Magdalena Nirva, "Magdalena 24h. Mein abenteuerliches Leben als Escort Girl" (von der Autorin erhalten)
- Marah Woolf, "GötterFunke. Hasse mich nicht" (Leserunde auf LovelyBooks)
- Souad Mekhennet, "Nur wenn du allein kommst. Eine Reporterin hinter den Fronten des Dschihad" (vom Verlag erhalten)


Gekauft


- Marcus Ertle, "Warten auf... Zufallsinterviews" (für 1,29 € auf Rebuy)
- Eckart von Hirschhausen, "Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist?" (für 1,29 € bei Rebuy)
- Sonja Schönemann & Ralf Husmann, "Die Kiste der Beziehung. Wenn Paare auspacken" (für 0,59 € bei Rebuy)
- Uwe Dolata, "Stationen einer Wiedergeburt. Sucht als Chance" (für 1,99 € bei Rebuy)
- Joelle Charbonneau, "Die Auslese" (für 2,00 € bei Hugendubel)
- Chantal Schreiber, "Dick angezogen" (für 1,09 € bei Rebuy)
- Abbas Khider, "Ohrfeige" (für 2,00 € auf dem Flohmarkt - signiert! :-))
- David Safier, "Traumprinz" (für 2,00 € auf dem Flohmarkt)
- Diverse, "Das Blaue im  Himmel" (für 4,50 € bei Oxfam)

Leider vergessen zu fotografieren:
Tatjana Kruse, "Glitzer, Glamour, Wasserleiche. Ein rabenschwarzer Pauline Miller-Krimi" (ganz normal im Laden gekauft für 9,95 €)


Ertauscht


- Horst Lichter, "Keine Zeit für Arschlöcher" (für 3 Ticket bei Tauschticket)
- Manu Causse, "Die grüne Ente" (aus dem Büchertauschregal)
- Arno Strobel, "Schlusstakt" (für 1 Ticket auf Tauschticket - signiert! :-))
- Oliver Maria Schmitt, "Der beste Roman aller Zeiten" (aus dem Büchertauschregal)
- Dennis Gastmann, "Gang nach Canossa. Ein Mann, ein Ziel, ein Abenteuer" (aus dem Büchertauschregal)
- Michael Northrop, "Tombquest. Die Schatzjäger" (für 2 Tickets bei Tauschticket)
- Annabel Pitcher, "Schweigen ist Goldfisch" (für 1 Ticket bei Tauschticket)
- Alina Bronsky, "Und du kommst auch drin vor" (für 3 Tickets bei Tauschticket)
- Alfonso Pecorelli, "Das Mädchen, das die Welt veränderte" (für 4 Tickets bei Tauschticket - signiert! :-))


Uiuiui, so viele schöne Bücher, so wenig Zeit zum Lesen! Ich kann's halt einfach nicht lassen - aber immerhin bin ich letztes Wochenende extra NICHT zum Büchereiflohmarkt gegangen. Ja, es gibt sie, die wenigen Momente, in denen ich vernünftig bin. ;-)

Sonntag, 1. Oktober 2017

Rezension: "Flaschenpost vom Mörder (Kripo Wattenmeer 3)" von Ulrike Busch

Daten zum Buch:
erschienen am: 28. Juli 2017
Verlag: Books on Demand
ISBN: 9783744871723
296 Seiten
Preis: 9,99 € (TB)
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Zum Inhalt:
1997: Nach einer wilden Partynacht am Amrumer Strand findet Frederik seine Schulkameradin Nina tot am Strand. Die Ermittlungen ergeben, dass es sich um einen tragischen Badeunfall handeln musste, der Fall wird schnell eingestellt.

20 Jahre später: Erneut macht Frederik einen Fund am Strand. Diesmal handelt es sich um eine Flaschenpost, in der jemand den Mord an Nina gesteht und gleichzeitig einen nächsten ankündigt. Unter den Mitgliedern der ehemaligen Clique, die gerade eine Gedenkparty zu Ninas 20. Todestag feiern wollte, herrscht schnell nervöse Stimmung, denn niemand weiß, wer der Nächste sein wird.

Die beiden Ermittler Kuno Knudsen und Arne Zander nehmen den Fall wieder auf und stoßen schnell auf ein Geflecht von Lügen, Geheimnissen und Schuldzuweisungen.

Meine Meinung:
"Flaschenpost vom Mörder" ist der dritte Teil der Krimiserie um die "Kripo Wattenmeer", die aus den Kommissaren Kuno Knudsen, seines Zeichens gestandener Amrumer, und dem jungen Arne Zander besteht. Die beiden treten in Aktion, sobald auf einer der nordfriesischen Inseln ein Verbrechen aufgeklärt werden muss.

Kuno und Arne sind durch und durch sympathische Figuren, und ich mag ihre besondere Freundschaft. Auch wenn man Einblicke in das Privatleben der beiden erhält, steht doch immer der Fall im Vordergrund. Hier ist keiner der Ermittler ein besonders kaputter Charakter, und hier gibt es auch kein Konkurrenzdenken zwischen den Kollegen. Das Ermittlerduo arbeitet Hand in Hand und ergänzt sich gut, und das schätze ich an den beiden. Sie sind typisch nordisch-ruhige Charaktere, die besonnen vorgehen. 

Daneben treten wenige Charaktere auf, die sich durch die ganze Reihe ziehen, wie z. B. der aufdringliche Inselreporter Friedrich Fliegenfischer. Neu hinzu kam in diesem Teil Kunos kleiner Bruder Okko, der für kommende Bände sicherlich ausbaufähig ist. Ansonsten lernt man bei jedem Fall immer einen neuen Schwung Insulaner kennen, mit denen Kuno zum größten Teil persönlich bekannt ist, da das Inselleben nunmal beschaulich ist und man sich untereinander kennt.

Wie in ihren anderen Krimis, präsentiert die Autorin auch hier wieder ein Geflecht von Beziehungen zwischen den verschiedensten Charakteren. Wie oft dachte ich mir, ich hätte den Mörder und das Motiv entdeckt. Und dann änderte ich auf der nächsten Seite wieder meine Meinung. So blieb es spannend bis zur letzten Seite. Zwar war der/die/das Täter/in (Man will ja nicht spoilern.) in meiner engeren Auswahl, aber sicher war ich mir bis zum Schluss nicht, und die Autorin versteht es gut, den Ball hin- und herzuwerfen zwischen den Verdächtigen. 

Buschs Schreibstil ist lebendig und lässt sich sehr flüssig lesen. Auch wenn ihre Krimis ernsthaft sind, blitzt hier und da ein feiner Humor durch, vor allem in den Szenen zwischen Knud und Arne. 

Die Krimis von Ulrike Busch sind unblutig und deshalb auch für zartbesaitete Leser geeignet. Im Vordergrund stehen immer die Beziehungen von Opfern und Verdächtigen sowie die Ermittlungsarbeit von Knud und Arne. Durch die ständigen Perspektivwechsel lernt man alle wichtigen Charaktere nach und nach besser kennen und kann so einzelne Puzzleteile zusammensetzen. 

Man spürt regelrecht die Liebe der Autorin zu Norddeutschland. Wer die nordfriesischen Inseln bereits kennt, wird sicherlich seine Freude haben, dorthin zumindest literarisch zurückzukehren. Wer so wie ich noch nie im hohen Norden war, wird hier ein neues Urlaubsziel finden. Jedes Mal, wenn ich einen Knudsen-Zander-Krimi lese, packt mich die Lust, endlich mal eine Reise nach Amrum oder auf eine andere deutsche Insel zu machen. 

Egal, ob man das Buch am Strand in der Sonne liest oder an einem verregneten Tag in eine Decke eingemümmelt auf der Couch - das richtige Lesegefühl kommt bei mir hier immer auf. Ich bin mittlerweile ein richtiger Knudsen und Zander-Fan und kann die Krimireihe jedem wärmstens empfehlen.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Ulrike Busch für dieses Rezensionsexemplar!
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Hier geht's zu meiner Rezension von "Pfauenfedernmord", dem 1. Teil der Reihe!

Hier geht's zur meiner Rezension von "Jaspers letzter Flirt", dem 2. Teil der Reihe!

Mittwoch, 27. September 2017

Buch-Zitat des Tages

aus: GötterFunke - Hasse mich nicht!" von Marah Woolf (S. 26f.)

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Er war hier, hämmerte es in meinem Kopf. Er war hier. Meine Wut wurde von Minute zu Minute größer. Wie konntet er mir das antun? Aber meine Gefühle waren ihm völlig egal, das hatte er bereits im Camp sehr eindrucksvoll bewiesen. Ich war so unfassbar naiv gewesen, dass es schon fast wehtat. Wahrscheinlich hatten die Götter einen morbiden Spaß daran, ihre Opfer leiden zu sehen. Aber nicht mit mir. Ich würde diese Unterrichtsstunde überstehen, auch wenn Cayden viel zu dicht neben mir saß. Immerhin schwieg er. Mein ganzer Körper stand unter Strom. Ich konnte kaum den Stift halten, geschweige denn den Ausführungen von Ms Bley folgen. Das musste ein schlechter Scherz der Götter sein. Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Götter waren herrisch und rachsüchtig, das wusste jeder. Ich hatte sie völlig verklärt und ihnen menschliche Attribute wie Mitgefühl angedichtet. Ich war ein Schaf. Ein hoffnungslos romantisches Schaf.

Resigniert ließ ich mein rotes Haar wie einen Vorhang zwischen uns fallen und atmete kurz auf. Er durfte nicht merken, wie nervös seine Anwesenheit mich machte. Das Schweigen zwischen uns wurde ohrenbetäubend. Unruhig rutsche ich auf meinem Stuhl hin und her. Ich musste hier raus. Je eher, desto besser. Bevor ich ihm diese grünen Augen auskratzte, mit denen er mich unablässig musterte. Warum drehten sich ständig irgendwelche Mädchen zu uns um? Diese dummen Kühe. Sahen sie nicht, was er für ein Typ war? Ich sollte eine Rundmail verfassen oder es im Schulfunk durchsagen. Haltet euch von Cayden fern. Er ist ein Arschloch und wird eure Herzen brechen. Etwas in der Art vielleicht. Aber warum sollte ich irgendeine von ihnen warnen? Solche Lektionen gehörten zum Leben dazu. Ich war ihm ja auch auf den Leim gegangen. Wieder durchfuhr mich eine Welle der Wut. Bestimmt war er nur wegen Robyn hier. Das musste es sein. Er wollte sie wiedersehen. Er vermisste sie. Verliebten Götter sich eigentlich auch mal richtig? Wusste sie schon, dass er hier war? Wenn ich mir vorstellte, dass Cayden und Robyn den Rest des Schhuljahres vor meiner Nase herumturtelten, sich küssten und Händchen hielten… Mir wurde speiübel.

Und ich hatte ihm auch noch erlaubt, mich zu küssen, dabei hätte ich mir doch denken können, dass ich nur eine Nummer auf einer Liste war. Ich wischte mir über den Mund. Nie wieder würde ich das zulassen.
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Dienstag, 19. September 2017

Neu: Öffentlicher Bücherschrank in Würzburg!

Ich denke mal, jeder von uns kennt sie und hat vielleicht einen von ihnen in seinem Heimatort stehen. Die Rede ist von öffentlichen Bücherschränken.

Für die, die sie nicht kennen: Das sind Schränke oder Regale, die an einem öffentlichen Platz stehen und in die man Bücher stellen kann, die man nicht mehr braucht. Ein anderer kann sich dann ein oder mehrere Bücher rausnehmen. Und so entwickelt sich ein munteres Tauschgeschäft. :-)

Bei uns in Würzburg gab es bislang leider nur einen (mir bekannten) Bücherschrank. Der steht zwar dankenswerterweise bei mir quasi um die Ecke in einem Waschsalon, aber er ist nicht vielen bekannt und man findet meist lange Zeit immer die gleichen alten Kamellen dort. 

Jetzt wurde aber in der Innenstadt endlich ein richtiger Bücherschrank eröffnet. Wie hat mir das Herz geblutet, als ich davon las, denn ich befand mich just zu diesem Zeitpunkt im Auslandsurlaub. Der Schrank wurde Anfang August vom Oberbürgermeister höchstpersönlich eröffnet und ist ein Gemeinschaftsprojekt von der hiesigen Stadtbücherei und einigen inhabergeführten Buchhandlungen. Und die haben den Schrank zur Eröffnung prall gefüllt mit Büchern. Und ich war nicht da, aaaaaah!!!

Die eine Seite ist sogar für Kinder- und
Jugendliteratur vorgesehen. Nice try, aber das
klappt leider gar nicht, dass hier nach Genre
eingeräumt wird...

Als ich dann nach dem Urlaub zum ersten Mal hinkonnte, stand der Schrank schon ein paar Wochen. Schick ist er ja mit seinen Glastüren und so. Aber ich war beim ersten Besuch etwas enttäuscht. Es waren vor allem alte Schinken drin, die sonst auch keiner haben will. Quasi Altpapierentsorgung. 

Mittlerweile war ich schon ein paar Male dort, hab natürlich das ein oder andere Buch reingestellt, und das Angebot wechselt ständig. Manchmal findet sich schon das eine oder andere moderne, interessante Buch. Überwiegend finden sich dort halt so alte muffige Bücher. Aber das bleibt wohl nie aus, dass diese meist in einem öffentlichen Bücherschrank dominieren. Außerdem stehen die Bücher meist nicht in Reih und Glied, sondern sind wild durcheinander geschmissen. Bei meinem letzten Besuch hatte ich aber den Eindruck, dass mal ein bisschen aufgeräumt und aussortiert wurde. Es ist wirklich gut, wenn es bestimmte Ansprechpartner gibt, die sich darum regelmäßig kümmern, sonst besteht echt die Gefahr, dass der Schrank ein bisschen zugemüllt wird.

Es freut mich auch, dass ich eigentlich nie alleine am Schrank stand und er von der Bevölkerung wirklich gut angenommen wird. 


Ich bin froh, dass wir hier endlich mal einen richtigen öffentlichen Bücherschrank haben, denn der hat Würzburg als Kulturstadt wirklich noch gefehlt!

Montag, 18. September 2017

Buch-Zitat des Tages

https://www.amazon.de/Flaschenpost-M%C3%B6rder-Fall-Kripo-Wattenmeer-ebook/dp/B0744NCZ7X
 aus: "Flaschenpost vom Mörder" von Ulrike Busch (S. 39f.)

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"So ganz Unrecht scheint euer Inselreporter mir aber nicht zu haben, wenn er meint, dass der Fall Nina Asmus damals nicht korrekt recherchiert worden ist. Wenn man dem, was er rausgefunden hat, Glauben schenken darf, hat dein Kollege, der zu dem Zeitpunkt das Kommissariat auf Amrum geleitet hat, die Ermittlungen ziemlich luschig geführt. Speziell geht es um den Rechtsmediziner, der den Obduktionsbericht erstellt hat. Es heißt, er könnte den Bericht fingiert haben und dein Kollege hätte alle Zweifel an sich abprallen lassen. Wie siehst du denn die Sache?"

Kuno überlegte, was er darauf erwidern sollte. Wenn er ehrlich sein wollte, konnte er Arnes Vorbehalte nicht ganz zurückweisen. Das Gerede über die mutmaßliche familiäre Verstrickung des Gerichtsmediziniers in den Fall hatte auch er damals am Rande mitbekommen. Das würde sich heute kaum mehr nachprüfen lassen, sofern die Akten üerhaupt nocht existierten. Schließlich lag das Unglück zwanzig Jahre zurück und hatte, soweit er wusste, als abgeschlossen gegolten. Er selbst hatte die Sache allerdings nur aus der Ferne verfolgt. Auf jeden Fall fühlte er sich veranlasst, seinen Kollegen Hautpkommissar, der die Untersuchungen damals geleitet hatte und der einige Jahre später im Dienst einen Herzinfarkt erlegen war, Arne gegenüber zu verteidigen.

"Es gab seinerzeit einfach keinen Anhaltspunkt dafür, dass Nina Asmus gewaltsam ums Leben gekommen wäre. Es lagen Fakten vor, die zu der Erkenntnis geführt haben, dass es ein Unglück war. Nina hatte mit niemandem Streit, es war ein fröhlicher Abend. Sie hat ausgelassen gefeiert, war alkoholisiert und hat sich ziemlich leichtsinnig verhalten. Geh du mal besoffen ins Meer. Nein, um Himmels willen, lass es lieber bleiben."  Bei Arne konnte man nie sicher sein, ob er nicht auf die Idee käme, die Situation live nachzustellen. (...)

Du würdest also nicht unbedingt einen Anlass sehen, den Fall wiederaufzunehmen?" Arnes Stimme klang so, als hätte er seinerseits bereits eine andere Entscheidung getroffen.
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Sonntag, 17. September 2017

Rezension: "Die Phantasie der Schildkröte" von Judith Pinnow

Daten zum Buch:
erschienen am: 24. August 2017
Verlag: FISCHER Krüger
ISBN: 9783810530356
416 Seiten
Preis: 19,99 € (HC)
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Zum Inhalt:
Edith ist Mitte 40, Single und arbeitet bei einer Versicherungsgesellschaft. Sie liebt die Routine, legt sich am Sonntag ihre Outfits für die ganze Woche zurecht, macht erst Mittagspause, wenn sie 12 Fälle bearbeitet hat und hat auch ansonsten einen streng durchstrukturierten Alltag. Sie hat keinerlei Freunde, und das wöchentliche Treffen mit ihrer Mutter, die kein gutes Haar an ihr lässt, ist unliebsamer Wochenhighlight.

Eines Tages trifft sie im Aufzug ein zehnjähriges Mädchen, das ihr Aufgaben stellt. Edith nimmt das Kind, das sich Schneewittchen nennt, nicht weiter ernst, hat sie Kinder doch noch nie sonderlich gemocht. Aber Schneewittchen mischt sich immer häufiger ungefragt in ihr Leben ein, und die Erfüllung ihrer Aufgaben treibt Edith immer weiter aus ihrem Schildkrötenpanzer hinaus in die echte Welt.

Meine Meinung:
Edith war mir anfänglich total unsympathisch. Sie ist eine regelrechte Soziopathin und wirkt leicht autistisch. Mit der Zeit erfährt man aber, woher dieses Verhalten kommt, und dank Schneewittchen und anderen Menschen, die in ihr Leben treten, verändert sie sich stark und wird einem mit jeder Seite sympathischer. Dennoch muss ich zugeben, dass ich keine wirkliche Bindung zu ihr aufbauen konnte.

Schneewittchen ist ein aufgewecktes, altkluges Kind, das Edith auf Schritt und Tritt folgt. Sie ist sicherlich jedem sympathisch, auch wenn es mir bei ihr genauso ging wie bei Edith und ich keinen emotionalen Zugang zu dieser Figur fand.

Neben den beiden Protagonistinnen treten eine weitere Reihe interessanter und ungewöhnlicher Charaktere auf. Am unsympathischsten ist hier definitiv Ediths Mutter, die wirklich nur schimpfen und beleidigen kann. Die anderen Figuren, die so nach und nach in Ediths Leben treten und eine wichtige Rolle einnehmen, sind da zum Glück schon viel sympathischer, so dass hier am Ende eine kunterbunte, amüsante Besetzung auftritt, die Ediths Leben und das Lesevergnügen bereichern. Dank dieser Menschen entwickelt sich Ediths graues Leben sehr zum Positiven. Sie emanzipiert sich, findet Freunde, schwänzt ihre Arbeit, wird spontan und interessiert sich sogar für Männer. 

Ediths Verwandlung ist für den Leser erfreulich und voraussehbar, geht mir persönlich aber zu schnell. Hier hätte ich mir ein gemäßigteres Tempo gewünscht. Zwar behält sie einige ihrer Macken, aber diese verkümmern eigentlich eher zu Schrullen, die jedermann haben kann. Befremdlich bis zum Schluss fand ich ihre fiktiven Unterhaltungen mit der Schildkröte Mechthild und ihrer Wunschfreundin, die Moderatorin ihrer Lieblingssendung.

Die Handlung entwickelt sich rasant, und es gibt so einige amüsante Erlebnisse, die Ediths Leben kräftig durcheinander wirbeln. Die Geschichte ist sehr humorvoll, manche Szenen wirken regelrecht slapstickhaft (Ich sage nur: Verfolgungsjagd einer mutmaßlichen Mörderin). Da sie aus Ediths Sicht geschrieben ist, hat man Anteil an ihren Gefühlen und Gedanken, und diese sind oft recht skurril und komisch. Aber es werden auch ernste Themen angesprochen. Vor allem geht es hier viel um Selbstliebe und Toleranz.

Dreht sich anfangs alles um Ediths und Schneewittchens Beziehung und die Aufgaben, die Edith zu lösen hat, stehen diese ab circa der Hälfte des Buches allerdings etwas zurück. Ich persönlich fand das aber ganz gut, da Ediths Veränderung so das "Werk" mehrerer Personen war und nicht nur das eines ominösen Mädchens, von dem keiner weiß, wo es herkommt.
 
Die letzte Aufgabe - die ich hier natürlich nicht verraten werde - passt dann eigentlich nicht so recht zu den vorherigen, zumal sie von einem zehnjährigen Kind gestellt wird, das zwar für sein Alter sehr weise, aber trotzdem noch kindlich ist. Hier hatte ich das Gefühl, dass die Autorin zu viel für Edith wollte und diese in kürzester Zeit quasi alles, was sie im Leben verpasst hat, nachholen sollte.

Wer genau Schneewittchen ist, erfährt man nicht zur vollen Zufriedenheit. Meine Vermutung hat sich teilweise bestätigt, und mir hätte eine etwas bodenständigere Erklärung besser gefallen.

"Die Phantasie der Schildkröte" ist kurzweilige Unterhaltung mit einem sehr guten Ansatz, mir ging jedoch die Entwicklung der Protagonistin viel zu schnell und ab der Hälfte des Buches fehlte mir irgendwie der anfängliche Zauber der Geschichte.

3,5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an LovelyBooks für dieses Rezensionsexemplar!