Mittwoch, 21. Februar 2018

Rezension: "Ich bin das Mädchen aus Aleppo" von Bana Alabed

Daten zum Buch:
erschienen am: 26. Januar 2018
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 9783785726174
203 Seiten
Preis: 20,00 € (HC)
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Zum Inhalt:
Bana Alabed war sieben Jahre alt, als sie sich an die Welt wandte, um die Gewalt, die Angst, den Horror auszudrücken, die sie und ihre Familie im Bürgerkrieg in Syrien erlebten - per Twitter. Ihre Botschaften bewegten die Welt, sie gaben dem Elend und Millionen unschuldigen Kindern eine Stimme.

Ich bin das Mädchen aus Aleppo erinnert uns an die fast grenzenlose Kraft, die dem Menschen innewohnt, an den unermesslichen Mut eines Kindes, und an die Macht der Hoffnung. Es ist ein Buch, das uns alle verändern kann.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Es beginnt mit einem Tweet im September 2016: „I need peace.“ Diese Worte kommen von einem kleinen Mädchen namens Bana Alabed, das mit seinen Botschaften in kürzester Zeit die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich und die Situation in Syrien lenkt. Mit mittlerwile über 350.000 Abonnenten auf Twitter, darunter auch Prominenten wie J.K. Rowling, wurde sie sogar jüngst zu einem der „25 einflussreichsten Menschen im Internet“ gewählt.

In diesem Buch erzählt sie nun – zusammen mit ihrer Mutter Fatemah – ihre Geschichte. Man erfährt hier vor allem etwas über Banas Leben in Syrien, bevor die Familie in die Türkei geflüchtet ist, darüber, wie schön ihre ersten drei Lebensjahre in friedlichen Zeiten waren. Syrien war für Bana das Paradies. Dann fingen die ersten Unruhen an, der Vater wird von Assads Geheimdienst festgenommen, die politische Lage ist prekär. Und schließlich ist die Familie Alabed mittendrin im Krieg. Bomben fallen nahezu pausenlos, das Leben wird gefährlich, Entbehrungen sind an der Tagesordnung. Obwohl die Familie aus der Mittelschicht stammt und sich etwas besser auf die neuen Umstände einrichten kann, geht es auch bei ihnen irgendwann nur noch ums nackte Überleben.

Die Schilderungen aus dem Kriegsgebiet sind bedrückend. Wenn ein Kind sagt, dass es die verschiedenen Bomben anhand der Geräusche auseinander halten kann und dass ein Tag, an dem „nur“ wenige Bomben fallen, ein guter Tag ist, dann ist das ein Zustand, der für Menschen wie uns, die in Frieden leben dürfen, schockierend ist und unendlich traurig macht.

Banas Ausführungen sind kindlich gehalten, für Banas Alter (Zum Entstehungszeitpunkt des Buches war sie ungefähr sieben Jahre alt.) jedoch stellenweise sehr klug. Sie verfügt über eine feine Beobachtungsgabe und ist ein sensibles, empathisches Mädchen, das einerseits den Grauen des Krieges voll zu spüren bekommt und Angst um das Leben ihrer Lieben hat, andererseits aber auch unschuldige, kindliche Gedanken hat wie z. B. dass sie gerne ihre Puppen mitnehmen möchte auf der Flucht. Ein Kind, das noch unschuldig ist, aber im Krieg viel zu früh und zu schnell erwachsen werden muss.

Dennoch muss ich sagen, dass mich Banas Schilderungen nicht so emotional mitgerissen haben. Vielleicht auch, da sie konstruiert und nicht altersgemäß wirken. Hingegen fand ich die Kapitel aus Sicht der Mutter viel berührender. Sie wendet sich direkt an Bana. Fatemah Alabed ist eine kluge Frau, die viele Weisheiten niederschreibt und deutliche Worte findet für das Grauen um sie herum. Man spürt ihre Angst um die Familie und die Verzweiflung. Diese Texte haben mir tatsächlich besser gefallen als Banas Schilderungen. Es ist jedoch diese gelungene Kombination aus kindlicher Beobachtung und mütterlicher Fürsorge, die dieses Buch außergewöhnlich macht. Denn Flüchtlingsberichte gibt es mittlerweile einige auf dem Markt, aber meines Wissens keine, bei denen Mutter und Kind abwechselnd erzählen.

Es ist heftig umstritten, ob Bana das Buch wirklich selbst geschrieben/diktiert hat. Und wenn man sich mit dem Medienphänomen Bana Alabed beschäftigt, stößt man auf viele Theorien, dass ihre Twitter-Meldungen nicht von ihr selbst stammen, ihr von ihrer Mutter oder gar anderen Dritten in den Mund gelegt wurden. Zuerst einmal: Welches Kind im Grundschulalter ist bitte fähig, ein eigenes Buch zu schreiben? Vermutlich keines. Dass hier ein Ghostwriter oder zumindest ein vertrauter Erwachsener das Schreiben übernommen hat, sollte klar sein.

Doch es wird im Internet viel diskutiert, wie authentisch Bana mit ihren Tweets und ihrem Buch ist. Man argumentiert, dass sie scheinbar gar nicht Englisch beherrscht, dass ihr Wortschatz nicht altersgerecht ist, dass manche Aussagen widersprüchlich sind. Es gibt sogar Theorien, dass Banas Vater mit Terrorgruppen sympathisiert oder gar selbst Terrorist ist. Die Krönung des Ganzen ist dann für viele das Bild, das Bana glücklich lächelnd mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zeigt – für viele ein No Go.

Jedoch bleibt für mich das Ergebnis das Gleiche: Die Erlebnisse von Banas Familie im Krieg sind glaubwürdig und stehen stellvertretend für unzählige andere syrische Familien, die dieses schlimme Schicksal teilen. Man muss hier nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Was Bana widerfahren ist, spiegelt die Realität wider, und ich denke, daran wiederum hat niemand Zweifel.

Dass für ein Kind, das aus dem Krieg flüchten muss und sich einfach nur Frieden ersehnt, ein Mann (hier: Erdogan), der dafür sorgt, dass ihre Familie in Sicherheit leben kann, ein Mensch ist, den man mag, ist doch eigentlich nachvollziehbar. Bana wird in ihrem Buch auch nie politisch, und das ist gut so, denn ich denke nicht, dass sie bereits all die politischen Hintergründe versteht. Es ist lediglich auffallend, dass sie nur von Assad bzw. dem Regime als Gegner spricht, aber die unzähligen Terrorgruppen, die ebenfalls das Land zerstören, weitestgehend unerwähnt lässt. Hier steckt vielleicht die politische Gesinnung der Familie dahinter, wenngleich Banas Eltern im Buch als unpolitisch dargestellt werden. Letztendlich wird Bana dann auch vom Regime als Staatsfeindin betrachtet und erhält Morddrohungen. Dies zeigt, wie wichtig sie mittlerweile als Medienfigur geworden ist, so wichtig, dass Assad sie töten lassen will und dass Erdogan sie mit Kusshand aufnimmt und ihr eine Sonderbehandlung zukommen lässt. Die Familie muss z. B. nicht ins Lager, sondern erhält eine eigene Wohnung, wie man zum Schluss kurz erfährt. Im Übrigen finde ich es schade, dass genau diese beiden Punkte – Banas Twittertätigkeit sowie Flucht und Neuanfang in der Türkei – nur kurz abgehandelt werden. Gerade darüber hätte ich gerne noch mehr erfahren.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er von Bana Alabed halten will. Meines Erachtens ist sie ein mutiges Mädchen, das hofft, die Welt rettet ihr Volk, wenn sie ihr nur zeigt, wie schlimm es den Syrern geht. Leider ist sie aber auch eine Medienfigur, die von Erwachsenen ausgenutzt und instrumentalisiert wird. Das alles lässt natürlich Zweifel entstehen, wie authentisch dieses Buch ist. Und auch ich muss zugeben, dass mich die „Medienfigur“ Bana Alabed auf Grund dieser Kontroversen mit gemischten Gefühlen zurück lässt.

Dennoch spreche ich eine klare Leseempfehlung aus. Das Buch eignet sich meiner Meinung nach auch gut für Kinder ab dem Grundschulalter. Ich kann mir vorstellen, dass Eltern es gemeinsam mit ihren Kindern lesen und mit ihnen über die schwere Thematik altersgerecht reden können. Denn der Krieg im Nahen Osten und die vielen Flüchtlinge, die nach Europa kommen, sind ein großes Thema bei uns und werden es sicherlich noch längere Zeit bleiben.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an die Lesejury für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 18. Februar 2018

Buchverfilmung: "Wunder" von R.J. Palacio

Diesmal gibt es keine Rezension, sondern eine Filmkritik. Keine Angst, ich bin jetzt nicht umgestiegen von Buch auf Film, aber ab und zu muss ich doch mal meinen Senf dazugeben, wenn ein Buch, das ich kenne, verfilmt wurde. In letzter Zeit habe ich sogar recht häufig Buchverfilmungen angeschaut. Ich weiß nicht, ob das einfach Zufall war oder ob gerade überdurchschnittlich viele Bücher verfilmt werden?!

Vor Kurzem habe ich mir jedenfalls die Verfilmung von R.J. Palacios Roman „Wunder“ angeschaut. Das Buch habe ich vor ziemlich genau fünf Jahren gelesen und fand es einfach nur wunderschön. Meine Rezension dazu findet ihr auf LovelyBooks.

Selten hatte mich damals ein Roman so berührt wie dieser. Deshalb war ich ehrlich gesagt skeptisch, ob man diese Geschichte so verfilmen kann, dass die Gefühle, die ich während des Lesens hatte, auch beim Zuschauen auf mich überspringen können.

Wer „Wunder“ noch nicht kennt, für den gibt es erstmal eine Inhaltsangabe (zum Film):

Von außen betrachtet ist August “Auggie” Pullman (Jacob Tremblay) ein sonderbares Kind: Im Gegensatz zu anderen Zehnjährigen wird er zu Hause unterrichtet und trägt ständig einen großen Astronautenhelm. Doch für dieses Verhalten gibt es einen guten Grund – Auggie wurde mit einer schweren Gesichtsdeformation geboren. Erst nach 27 Operationen kann er normal hören und sehen. Als seine Eltern Isabel (Julia Roberts) und Nate (Owen Wilson) entscheiden, dass ihr Sohn eine normale Schule besuchen soll, muss Auggie seinen Helm abnehmen.

Für den jungen Auggie ist es besonders schwer, die Beecher Prep School zu besuchen. Anfangs wird er gemieden und wie ein Außenseiter behandelt. Doch bald lernen seine Mitschüler, dass Auggie ein humorvoller, lebendiger und intelligenter Junge ist, der über außergewöhnliches Talent verfügt. Zum ersten Mal in seinem Leben findet Auggie echte Freunde. Durch ihre Augen kann er sich selbst aus einem neuen Blickwinkel betrachten – und lernt so endlich, sich trotz seiner Narben zu akzeptieren.
(Inhaltsangabe von www.kino.de)

Auggie leidet also an dem Treacher-Collins-Syndrom, einer Erbkrankheit, die zu Gesichtsfehlbildungen führt. Da Auggie sehr oft operiert werden musste, wurde er bislang von seiner Mutter daheim unterrichtet. Doch jetzt ist es ihrer Meinung nach an der Zeit, dass Auggie eine normale Schule besucht. Und darum geht es dann in dieser Geschichte: Um Auggies erstes Schuljahr und dass er sich nicht mehr daheim und unter seinem Astronautenhelm verstecken kann, sondern sich der Welt „da draußen“ und seinen neuen Mitschülern stellen muss, von denen natürlich einige wegen Auggies Aussehen ganz schön gemein sind. Es braucht weniger als ein entstelltes Gesicht, um Opfer von Gehässigkeiten und Mobbing zu werden, da ist Auggies Aussehen natürlich Wasser auf den Mühlen fieser Kinder.

Wie also hat mir die Verfilmung gefallen? – Sehr gut! Soweit ich mich noch an die Details aus dem Buch erinnern kann, hat man sich ziemlich eng an die Romanvorlage gehalten.

Jacob Tremblay gibt einen wunderbaren Auggie ab, der genau so ist wie im Buch: Witzig, blitzgescheit und liebenswert. Man möchte ihn die ganze Zeit knuddeln und beschützen. Julia Roberts und Owen Wilson – bei Letzterem hatte ich Zweifel, ob ihm eine ernste Rolle liegt, aber ja, er kann auch ernst! – sind tolle Eltern, wie sie sich jeder wünscht. Izabela Vidovic gibt eine wunderbare große Schwester, die mit ihrer eigenen Geschichte ebenfalls berührt. (Es gibt hier – wie auch im Buch – verschiedene Erzählperspektiven.) Ich habe mir zwar die Familie nicht ganz so perfekt - rein optisch - vorgestellt, und sogar Auggie war in meiner Vorstellung missgebildeter als hier, aber was soll's, es ist halt Hollywood mit seinen perfekten Schauspielern. ;-) Richtig toll fand ich auch die anderen Kinder, die mitgespielt haben, allen voran Noah Jupe als Jack. Eigentlich finde ich, dass alle Rollen bis in die kleinste Nebenrolle richtig gut besetzt waren.

Die meiste Zeit hatte ich ehrlich gesagt Tränchen in den Augen, aus ganz unterschiedlichen Gründen: Manche Szenen sind traurig, manche einfach nur berührend, auch auf schöne Weise. Viele Szenen sind auch wirklich witzig. Und so hab ich mich durch den Film durchgeschnieft und war am Ende ganz verzaubert.

Wobei ich auch dazu sagen muss, dass man einfach merkt, dass es sich um einen Hollywood-Film handelt. So emotional die Geschichte auch ist, aber zuweilen kann man schon sagen, dass hier mächtig auf die Tränendrüse gedrückt wurde und es dem ein oder anderen Zuschauer sicherlich auch zu kitschig werden könnte. Das kann ich gut verstehen. Da ich aber ein Faible für „Wunder“ habe, hat es mich persönlich diesmal nicht so gestört.

Meine Begleiter/innen – drei Generationen von Schulkind bis Großmutter – fanden den Film ebenfalls super. Meine Quasi-Schwiegermutter, die auch Grundschullehrerin ist, meinte, dieser Film gehöre eigentlich an allen Schulen gezeigt. Ich denke auch, dass er gerade jungen Menschen Themen wie Mobbing, Freundschaft und Anderssein näher bringen kann.

Ich kann diese Buchverfilmung jedenfalls jedem ans Herz legen, aber vergesst bitte eure Taschentücher nicht. ;-) 

Mittwoch, 14. Februar 2018

Buch-Zitat des Tages

aus: "Ich bin das Mädchen aus Aleppo" von Bana Alabed (S. 140)
 
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Es ist wie damals, als ich ein paar Teile von meinem Lieblingspuzzle verloren hatte. Es gab keinen Ersatz, und darum konnte ich es nicht mehr zusammensetzen. Mir blieb nichts anderes übrig, als es wegzuwerfen und mir ein neues Puzzle zu besorgen, aber ein neues Syrien kriegen wir nicht.
 
Wir hatten das Gefühl, dass wir niemals aus Aleppo rauskommen würden und dazu verurteilt waren zu warten, bis eine Bombe uns treffen und wir alle umkommen würden.  
 
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Sonntag, 4. Februar 2018

Rezension: "Osiris - Das versunkene Geheimnis Ägyptens" von Franck Goddio & David Fabre

Daten zum Buch:
erschienen am: 17. Januar 2017
Verlag: Prestel
ISBN: 9783791355962
249 Seiten
Preis: 29,95 € (HC)
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Zum Inhalt:
Tauchen Sie ein in die Tiefen der ägyptischen Zivilisation und ihrer Riten! Mit über 200 Abbildungen - darunter vielen bislang unveröffentlichten Unterwasseraufnahmen der Ausgrabungen des Institut Européen d'Archéologie Sous-Marine (IEASM) und der dabei gefundenen Artefakte - versetzt Sie dieser Band zurück ins alte Ägypten und bringt Ihnen die religiösen Zeremonien des gestorbenen und wiederbelebten Gottes Osiris nahe. Enthüllt werden die Geheimnisse der Osiris-Mysterien von Thonis-Herakleion und Kanopus und die Ritaule, die durch die Wiedergeburt des Gottes den immer wiederkehrenden Reigen der Jahreszeiten, den Wohlstand und die Einheit des Landes sowie die kontinuierliche dynastische Nachfolge der Pharaonen sichern sollten.

Der Band begleitet die aufsehenerregende Ausstellung im Rietberg Museum Zürck und erlaubt es dem Leser, sich mit bislang kaum bekannten, faszinierenden Riten des alten Ägypten zu befassen.
(Klappentext) 

Meine Meinung:
Vom 10.02.2016 bis 13.08.2017 zeigte das Museum Rietberg in Zürich die erfolgreiche Ausstellung "Osiris - Das versunkene Geheimnis Ägyptens". Die meisten der gezeigten Artefakte stammten aus Ausgrabungen des Europäischen Instituts für Unterwasserarchäologie (IEASM) unter Leitung des bekannten Unterwasserarchäologen Franck Goddio. Das hier vorliegende Buch ist der begleitende Ausstellungskatalog.

Goddios Team entdeckte während seiner Unterwassergrabungen in der Bucht von Abukir die antiken, im 8. Jahrhundert n. Chr. versunkenen Städte Thonis-Herakleion und Kanopus. In diesen Städten spielte der Kult um den altägyptischen Gott Osiris eine große Rolle, und so beschäftigt sich der Begleitband eindrücklich mit dem 4000 Jahre alten Osiris-Mythos, den Ausgrabungsstätten sowie den Osiris-Prozessionen.

Ich selbst habe leider diese Ausstellung nicht besuchen können. Da ich studierte Ägyptologin bin, interessierte mich dieses Buch natürlich sehr, da ich mir die Ausstellung wenigstens so doch noch indirekt anschauen konnte.

Positiv hervorheben möchte ich gleich zu Beginn das wunderschöne Layout. Der Katalog ist durchgehend reich bebildert mit Aufnahmen der Objekte und Fotos von den Unterwassergrabungen. Einige der Bilder erstrecken sich sogar über drei (aufklappbare) Seiten. Das Buch macht wirklich einen sehr hochwertigen Eindruck.

Der Textteil ist in unterschiedliche Kapitel eingeteilt, die sich mit verschiedenen Aspekten des Osiris-Mythos' beschäftigen. Diese sind von drei verschiedenen Wissenschaftlern (Jocelyne Berlandini-Keller, Anne-Sophie von Bomhard, Sydney Hervé Aufrère) verfasst. Und hier setzt auch meine Kritik an. Natürlich kaufen sich dieses Buch Menschen, die sich für Archäologie und das alte Ägypten besonders interessieren. Und vermutlich sind viele dieser Leute recht gebildet und haben vielleicht auch schon einige Vorkenntnisse in diesem Bereich. Allerdings fand ich die Texte viel zu trocken und wissenschaftlich und eher weniger geeignet für "die breite Masse". Selbst ich als "Fachfrau" fand die Texte größtenteils ziemlich dröge. Ich finde, man muss Wissenschaft nicht immer trocken rüberbringen.

Hinzu kommen zahlreiche Zitate aus antiken Inschriften, die scheinbar recht willkürlich zwischen oder neben die Texte gesetzt wurden, was den Lesefluss stört und das Layout etwas unruhig wirken lässt. Ich wusste manchmal gar nicht, was ich zuerst lesen soll.

Positiv hervorzuheben ist die ausführliche Bibliographie im Anhang. Auch dass die Fußnoten direkt auf der Seite des Textes sind, gefällt mir gut. Und es ist löblich, dass einige Fachbegriffe auch in einer Randnotiz kurz erklärt werden, allerdings gibt es so viele Fachbegriffe, die wiederum nicht erklärt werden, dass man stattdessen entweder ein ausführliches Glossar hätte beifügen oder es alternativ direkt hätte lassen können.

Trotz dieser Kritikpunkte ist dieser Katalog jedoch wirklich ein sehr schönes, hochwertiges Buch, das ich jedem ans Herz legen kann, der sich für das alte Ägypten und den Gott Osiris interessiert.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 21. Januar 2018

Buch-Zitat des Tages

aus: "Schneeflockenwünsche" von Nicole Beisel (S. 75f.)
 
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Es spielte keine Rolle, wo sie war, was sie tat oder mit wem sie sich unterhielt. Mit ihren Gedanken war sie ständig bei Sam Miller. Noch immer sah sie sein Gesicht klar vor sich. Seine tiefblauen Augen, die tatsächlich so tiefblau waren wie auf dem Bild, das im Internet zu sehen war, ließen sie nicht mehr los; weder bei Tag noch in der Nacht. Dieser Mann verfolgte sie in ihren Träumen, nur damit sie ihn wiederum verfolgte.

In ihren nächtlichen Fantasien lief sie ihm mit ausgestreckter Hand hinterher, doch sie bekam ihn nie zu fassen. Immer wieder drehte er sich um und lächelte sie an, doch dann schaute er wieder nach vorne und lief einfach weiter, ohne auch nur ein einziges Mal anzuhalten. Völlig außer Atem blieb Amy im Traum stehen und ließ ihn ziehen, bis er ganz verschwand.

Sie wusste, was diese Träume zu bedeuten hatten. Sie lief einem Idol hinterher; einem Menschen, der nicht für sie bestimmt war. Einem Mann, der zwar sehr nett zu ihr war, aber dennoch einen gewissen Abstand zu ihr hielt, wie es für berühmte Personen eben üblich war. Sie ärgerte sich darüber, dass sie tatsächlich in eine dumme Schwärmerei verfallen war. Als Jugendliche waren diese tollen Gefühle ja noch schön gewesen, doch nun, da sie nicht mehr ganz so jung war und die Sehnsucht nach einem richtigen Partner an ihrer Seite stetig wuchs, fand sie die Last der rosaroten Brille nicht mehr so lustig. Amy blieb nur die Hoffnung, dass sie die nächsten Treffen mit diesem Autor gut über die Bühne brachte und ihn nach Weihnachten schnellstmöglich wieder vergaß. Und sie war sich sicher, dass ihr das gelingen würde. Es müsste nur genügend Zeit vergehen, und zwar zügig. 
 
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Sonntag, 14. Januar 2018

Neuzugänge

Hoppala, schon wieder zwei Monate lang keine Neuzugänge gepostet. Dann wird's ja mal wieder Zeit!

Rezensionsexemplare


- Ulrike Busch, "Tod am Deich" (von der Autorin erhalten - signiert!)
- Angela Kirchner, "Viel näher als zu nah" (Leserunde auf LovelyBooks - signiert!) 
- Ulrike Busch, "Mordskuss" (von der Autorin erhalten - signiert!)


Gewonnen


- Nicole Beisel, "Schneeflockenwünsche" (Weihnachtsgewinnspiel auf "Miss Lila liest") 


Geschenkt bekommen


- Mila Summers & Ralf Wolfstädter, "Alpakas auf Durchreise" 
- Thorsten Benkel & Matthias Meitzler, "Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe. Ungewöhnliche Grabsteine - Eine Reise über die Friedhöfe von heute"


Ersteigert bei "Aktion Weihnachtsengel 2017"


- Mila Summers, "Vielleicht klappt es ja morgen... Liebe in Würzburg"
- Hermien Stellmacher, "Katzenglück und Dolce Vita" (signiert!)


Gekauft


- Brodi Ashton, "Ewiglich dein" (für 1,00 € im 1-Euro-Shop)
- Beth Revis, "Godspeed 1 + 2" (für je 1,00 € im 1-Euro-Shop)
- Sven Amtsberg, "Die Wahrheit über Deutschland. Städtetouren für Besserwisser" (für 1,00 € im 1-Euro-Shop)
- Bildwörterbuch Arabisch (3,99 €)

- Percy Jackson - komplette Reihe (Sonderausgaben für je 10,00 €)
- Helden des Olymp - komplette Reihe (Sonderausgaben für je 10,00 €)


Ertauscht


- Alina Bronsky, "Baba Dunjas letzte Liebe" (aus dem Tauschregal)
- Hanna Dietz, "Männerkrankheiten" (aus dem Tauschregal)
- J.K. Rowling, "Was wichtig ist" (Tauschticket, 2 Tickets)
- Dr. Vivien Suchert, "Sitzen ist fürn Arsch" (TT, 2 Tickets)

Sonntag, 7. Januar 2018

Rezension: "Nur wenn du allein kommst - Eine Reporterin hinter den Fronten des Dschihad" von Souad Mekhennet

Daten zum Buch:
erschienen am: 25. Oktober 2017
Verlag: C.H. Beck
ISBN: 9783406711671
384 Seiten
Preis: 24,95 € (HC)
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Zum Inhalt:
Was passiert hinter den Fronten des Dschihad? Wie ticken Warlords und jugendliche Attentäter? Spannend wie in einem Krimi berichtet Souad Mekhennet von ihren teils lebensgefährlichen Recherchen in den No-Go-Areas des Terrors, allein, ohne Handy, bekleidet mit einer schwarzen Abaya. Denn die Dschihadisten werden wir erst dann verstehen, wenn wir ihre Geschichten kennen.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Souad Mekhennet wurde 1978 als Kind türkisch-marokkanischer Eltern in Frankfurt/Main geboren und wuchs in den ersten Jahren bei ihrer Großmutter in Marokko auf, um im Sinne des Islam erzogen zu werden. Mit drei Jahren kehrte sie nach Deutschland zu ihren Eltern und Geschwistern zurück. Sie ist Journalistin und Autorin und beschäftigt sich seit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 intensiv mit dem islamistischen Terror.

Im vorliegenden Buch erzählt sie zuerst ihre eigene Geschichte und die ihrer Eltern, einem schiitisch-sunnitischen Paar, das sich fernab der Heimat in Deutschland als Gastarbeiter kennen- und lieben gelernt hatte. Es folgen Berichte aus Mekhennets journalistischer Tätigkeit im Ausland von 2003 bis heute. Sie fuhr unter Anderem in den Irak und Libanon, nach Algerien, Jordanien, Pakistan, Ägypten, Tunesien und Bahrain, um dort vor Ort zu recherchieren und sich mit Tätern und Opfern des Terrorismus zu treffen. Sie wagt sich viele Male in das Herz von Terrorgruppen wie Al-Quaida, Taliban oder IS(IS), redet mit den selbsternannten "Gotteskriegern", um auch beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. Sie möchte Mittlerin sein zwischen der arabischen und der westlichen Welt.

Ihre Erlebnisse schildert sie eindrücklich und sehr detailliert. Viele der Treffen mit ihren Interviewpartnern sind nur möglich, weil Mekhennet selbst Muslimin ist, weil sie sich auf die arabische Gastfreundschaft und auf die Abstammung ihrer Familie mütterlicherseits vom Propheten Mohammed beruft. Oft hört sie Sätze wie "Wären Sie eine Deutsche/Amerikanerin, würden wir Sie entführen/töten." Als gebildeter Araberin jedoch wird sie meist mit Respekt behandelt, es werden ihr sogar einige Vertraulichkeiten entgegengebracht. So benennt z. B. ein Taliban-Kommandeur seine neugeborene Tochter nach der Journalistin. Doch kommt sie auch in viele bedrohliche Situationen und muss um ihr Leben und das ihrer Kollegen fürchten.

Ich habe viele Wochen für dieses Buch gebraucht, und wenn ich ehrlich bin, wich meine anfängliche Neugier nach einiger Zeit einer gewissen Ermüdung beim Lesen. Zu viele Namen, Daten, Gruppierungen - ich habe ehrlich gesagt oft gar nicht richtig durchgeblickt, wer jetzt wer ist und wo gerade wer gegen wen kämpft, wer welche Rolle wobei spielt. Manchmal hätte ich mir irgendwelche Übersichten in Form von Tabellen oder Karten (bezüglich der erwähnten Gebiete) oder zumindest ein Glossar gewünscht.

Zu den detaillierten Ausführungen kommen noch viele Fußnoten dazu. Ich bin ja ein Fan davon, Fußnoten, die nicht nur Literaturquellen, sondern auch Erläuterungen beinhalten, in der Fußzeile der jeweiligen Seite zu drucken und nicht in einem Anhang am Ende des Buches. Leider ist hier letzteres der Fall, und da die Autorin öfter in ihren Fußnoten Dinge erläutert und erklärt, war es ein nerviges Hin- und Herblättern, das meinen Lesefluss doch sehr beeinträchtigte.

Ich kann gar nicht sagen, ob ich die Autorin sympathisch finde oder nicht. Man erfährt zwar in den ersten Kapiteln vieles aus ihrem Leben, aber ich konnte keine Beziehung zu ihr aufbauen. Dies ist aber nicht nötig, um auf jeden Fall sagen zu können, dass sie eine kluge und mutige Frau ist, die sich ständig in die Höhle des Löwen begibt, um die Welt über den Terrorismus aufzuklären, und allein dafür muss man sie bewundern. Selbst in brenzligen Situationen behält sie einen kühlen Kopf.

Man merkt ganz stark, dass sich die Autorin als Araberin fühlt, dass ihr Herz in der arabischen Welt und im muslimischen Glauben verankert ist. So ist es für sie selbstverständlich, dass ihr zukünftiger Mann von arabischer Herkunft sein muss. Eine andere Möglichkeit zieht sie, die weltoffene und intellektuelle Frau, scheinbar gar nicht erst in Betracht.

Befremdlich fand ich auch ihre Schlussfolgerung, als sie erfährt, dass sie durch ihre zahlreichen engen Kontakte zu Terroristen vom US-Geheimdienst beobachtet wird. Sie konstatiert, dass dieser wohl kein Problem damit hätte, wenn sie ins Kreuzfeuer und in Lebensgefahr geriete. Denn ihr amerikanischer Kollege wurde vorher durch eine fingierte Morddrohung genötigt abzureisen, um ihn in Sicherheit zu bringen, während man abwartete, ob die Autorin ein Treffen mit einem hochrangigen Terroristen, an dem der Geheimdienst herankommen will, trotzdem durchführen würde. (Was sie zum Glück nicht tat.) Sie kommt zu dem Schluss, dass dem Westen ein muslimisches Leben (also ihres) weniger bzw. nichts wert sei, wie es ja auch die Terroristen immer propagieren. Jedoch stellt es sich für mich so dar, dass ihr amerikanischer Kollege nichtmal Arabisch spricht und Mekhennet die Interviews selbst organisiert und leitet, während ihr Kollege - auch nicht immer, falls die Interviewpartner nicht für seine Sicherheit garantieren wollen, weil er Amerikaner ist - sie nur unterstützend begleitet und dann später mit ihr die Artikel aufbereitet und veröffentlicht. Dass er da weniger in Verdacht steht als sie, ist eigentlich logisch.

Die Autorin hat viel erlebt und viel zu erzählen, und ihre Berichte sind gleichermaßen spannend und schockierend. Sie versucht, sich eine gewisse Objektivität zu erhalten, was meist, aber nicht immer gelingt. Aber sie ist eben auch nur ein Mensch. Es ist sowieso bewundernswert, dass sie nach all diesen Erlebnissen noch immer mit der gleichen Unterschütterlichkeit ihrer Arbeit nachgeht und sich nicht abbringen lässt, auch weiterhin in Kriegsgebiete zu fahren und dort mit gefährlichen Funktionären zu reden. Denn es ist wahrscheinlich, dass sie sich mit ihrer Arbeit auch einige Feinde macht.

Emotional ist nochmal der Epilog, in dem man erfährt, dass beim Amoklauf in München 2016, als ein junger Deutsch-Iraner im Olympiazentrum gezielt mehrere Menschen mit Migrationshintergrund tötete, auch der 14jährige Cousin der Autorin sowie sein bester Freund starben. Und so schließt das Buch mit den berührenden und weisen Worten: "Wenn ich eins gelernt habe, dann dies: Die Schreie einer Mutter, die ihr getötetes Kind beweint, klingen immer gleich, egal ob sie nun schwarz, braun oder weiß, Muslimin, Jüdin, Christin, Schiitin oder Sunnitin ist. Wir werden alle in derselben Erde begraben."

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den C.H. Beck-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!