Sonntag, 19. November 2017

Rezension: "Mordsleben - Ostfrieslandkrimi (Kripo Greetsiel ermittelt 3)" von Ulrike Busch

Daten zum Buch:
erschienen am: 13. Juli 2017
Verlag: Klarant
ISBN: 9783955736576
151 Seiten
Preis: 11,99 € (TB)
Hier geht's zur Verlagsseite!
Hier geht's zur Autorenseite!

Zum Inhalt:
Die berühmte Schauspielerin und Autorin Leonie Altina ist in ihre alte Heimat Greetsiel zurückgekehrt, um dort ihren Lebensabend zu verbringen. Gerade hat sie erfolgreich ihre Autobiographie herausgebracht. Doch eines Abends werden Schüsse auf ihr Haus abgegeben. Leonie Altinga bleibt unverletzt, es gehen lediglich zwei wertvolle Erbstücke zu Bruch. Doch der Schock sitzt bei allen tief. Wer will der allseits beliebten Frau  an den Kragen?

Der Fall ruft das frisch verliebte Ermittler-Duo Tammo Anders und Fenna Stern auf den Plan. Gemeinsam mit Tammos Onkel und Fennas Mutter, die Teilnehmer an Leonie Altingas Buchclub sind, stöbern sie in der Vergangenheit und erfahren, dass die Filmdiva vor vielen Jahren Tochter und Mann auf tragische Weise verlor. Ist Leonie in ihren Heimatort zurückgekehrt, um sich an den Verantwortlichen von damals zu rächen, und die Schüsse auf sie waren nur ein von ihr inszeniertes Ablenkungsmanöver? Denn nach dem Anschlag auf die alte Dame geraten plötzlich weitere Einwohner in Gefahr, die mit ihrer Vergangenheit in Zusammenhang stehen.

Meine Meinung:
Ich kenne bereits alle bisher erschienenen Bände von Ulrike Buschs Nordfriesland-Krimireihe "Kripo Wattenmeer", die mir sehr gut gefallen hat. Gerne habe ich mich deshalb mit der Autorin nun nach Ostfriesland begeben.

"Mordsleben" ist der dritte "Kripo Greetsiel"-Band rund um das Ermittler-Duo Fenna Stern und Tammo Anders. Die ersten beiden Teile sind mir bislang unbekannt, da es sich jedoch um eine Reihe handelt, sind die Einzelbände problemlos unabhängig voneinander zu lesen. Ich hatte zu keiner Zeit Probleme, der Handlung zu folgen, da es ein in sich abgeschlossener Fall ist.

Fenna Stern war mir ziemlich sympathisch. Sie geht systematisch vor, versucht sich in Opfer und Täter einzufühlen und hat einen angenehmen Charakter. Mit Tammo Anders hingegen wurde ich nicht warm. Er ist zickig, unfreundlich und wenig einfühlsam. Außerdem hat er keine rechte Lust auf den Fall, da er, wie es scheint, erst frisch mit Fenna zusammengekommen ist und einfach nur die Zweisamkeit mit ihr genießen möchte. Die Liebesgeschichte um die beiden ist mitunter ein Grund, weshalb ich die ersten beiden Bände auf jeden Fall auch noch lesen werde, da ich gerne mehr über die beiden erfahren möchte.

Ulrike Buschs Schreibstil ist wie erwartet lebendig und lässt sich flüssig lesen. Auch wenn es sich um einen Krimi handelt, ist der Grundton locker und subtil humorvoll. Dafür sorgen schon die verschiedenen Charaktere, meist typische Nordlichter mit Ecken und Kanten.

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, so dass man nicht nur gute Einblicke in die Ermittlungsarbeit erhält, sondern neben den Kommissaren auch weitere wichtige Charaktere - z. B. das Opfer und die Verdächtigen - näher kennenlernt, die wieder allesamt liebevoll detailreich gezeichnet sind.

Ulrike Buschs Krimis leben nicht von Blut und Action, sondern von kluger Ermittlungsarbeit, Geheimnissen und Verflechtungen. Diese aufzudecken bzw. zu entwirren ist die Aufgabe der Kommissare und somit auch des Lesers. Ich habe gerne mitgerätselt und muss leider zugeben, dass ich nicht wirklich wusste, wer der Täter ist. Den wahren Täter hatte ich zwar auch unter Verdacht, aber eigentlich nur, weil ich so planlos war, dass ich letztendlich jeden verdächtigt habe.

"Mordsleben" ist ein kurzweiliger Krimi mit einer komplexen Story, der mich sehr gut unterhalten hat. Lediglich mit dem Ermittlerduo muss ich noch ein bisschen warm werden.

4 von 5 Schreiberpaletten

 Vielen Dank an Ulrike Busch und den Klarant-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Samstag, 18. November 2017

[TAG] "HeldenMonat": Du bist ein Held!

Ich denke, fast jeder von uns kennt Percy Jackson oder andere Reihen des Autors Rick Riordan (z. B. die "Kane-Chroniken" oder "Magnus Chase").

Nach den "Percy Jackson"-Bänden folgte eine weitere Reihe um die griechischen Halbgötter in heutiger Zeit. In "Helden des Olymp" spielt Percy zwar auch eine Rolle, aber das Hauptaugenmerk liegt auf den drei Freunden (und natürlich göttlichen Abkömmlingen) Jason, Leo und Piper.

Der Carlsen-Verlag hat am 2. November alle fünf Bände von "Helden des Olymp" in einer neuen Sonderausgabe herausgegeben. Die liebe Sanne vom Bücherblog "Papierplanet" hat deshalb eine ganz tolle Aktion im November gestartet: Den "Helden-Monat"!

Zu gewinnen gibt es alle fünf Sonderausgaben, und ich muss ganz ehrlich sagen: Was für ein toller Gewinn!!! :-) Denn die Reihe steht schon länger auf meiner Wunschliste. Bislang habe ich nämlich nur die "Kane-Chroniken" gelesen (und geliebt!) und die beiden Percy Jackson-Filme geschaut (Shame, shame!).Und da der 24.11., der Tag der Auslosung, auch noch mein Geburtstag ist, wäre das sogar noch geiler, die Bücher zu gewinnen.

Toll, das klingt voll gierig... Natürlich mache ich auch mit, weil mir das Beantworten der Fragen Spaß macht. Das ist nämlich die Aufgabe für den "Helden-Monat". Also hier kommen die Fragen, gestellt von den Halbgöttern höchstpersönlich. ;-)

1. Frank Zhang: Welche besondere Fähigkeit hättest du als Halbgott?
Puuuuuh. Das ist ja mal echt schwierig. Wenn ich so an meine persönlichen Interessen denke, dann könnte ich
a) alle Sprachen der Welt verstehen und sprechen,
b) mit Tieren kommunizieren,
c) einen Schutzschild um mich und Andere spannen, um sie vor Gefahren zu schützen.
Ehrlich gesagt fielen mir da noch Hunderte anderer cooler und nützlicher Eigenschaften ein (Ich will gerne fliegen können, au ja!), aber ich will es nicht übertreiben fürs Erste.

2. Piper McLean: Hast du schonmal etwas verheimlicht, damit man etwas bestimmtes von dir denkt?
Öhm, ehrlich gesagt fällt mir da jetzt nichts ein. Dass man ab und an mal was verschweigt, um keinen Nachteil zu haben, ist normal, denke ich. Ich hab mich aber nie komplett verstellt oder vorgegeben, eine Andere zu sein.

3. Hazel Levesque: Welches Ereignis hat am meisten zu deiner heutigen Persönlichkeit beigetragen?
Im positiven Sinne: Nichts Konkretes. Ich bin das Ergebnis aus ganz vielen Einflüssen, aber es war jetzt weder eine ganz spezielle Person  noch ein Ereignis dafür verantwortlich, dass ich jetzt so bin, wie ich bin.
Im negativen Sinne: Ich wurde als Teenager eine Zeitlang sehr stark gemobbt, und das hat leider dazu geführt, dass ich ein paar Eigenschaften und innere Einstellungen angenommen habe, die mir nicht gut tun bzw. mir in manchen Situationen Steine in den Weg legen.

4. Leo Valdez: Wenn du die Fähigkeit dazu hättest, welchen nützlichen Gegenstand würdest du erfinden?
Ach herrje, das ist auch eine sehr schwierige Frage. Am liebsten etwas, das zum Weltfrieden führt. Und den Hunger auf der Welt bekämpft. Gerechtigkeit herstellt. Ich weiß nicht. Das Problem ist, dass solche Gegenstände in den falschen Händen dann wiederum schädlich sein können. Wenn es etwas Egoistisches sein darf, dann würde ich eher eine Zeitmaschine oder zumindest einen Beamer (wie bei Star Trek) erfinden, um überall sein zu können, wo ich sein möchte.

5. Jason Grace: Würdest du einen vertrauten Ort verlassen, wenn du damit eine dir nah stehende Person beschützen würdest?
Selbstverständlich! Ich bin eh kein Mensch, der sich nur an vertrauten Orten aufhält, ich erkunde gerne die Welt. Aber zum Schutz einer Person wäre das sowieso selbstverständlich für mich.

6. Annabeth Chase: Musstest du schon einmal deine größte Angst überwinden?
Ich hab eigentlich keine ganz bestimmte Angst, von der ich sagen könnte, das ist jetzt meine absolute Nemesis. Es sind eher kleine Dinge. Dass man mal selbst die eklige Spinne fängt und rausträgt. ;-) Oder dass man sich generell aus seiner Komfortzone herauswagt. Und ja, das habe ich schon öfter getan. Am Schlimmsten ist immer das Sich-Überwinden, aber wenn das geschafft ist, merkt man oft, dass die Angst ganz unbegründet war.

7. Percy Jackson: Was ist deine größte Schwäche?  
Gutes Essen, leider. Und dass ich manchmal echt phlegmatisch bin - Faultiere sind meine Seelentiere!

Also ich finde, das hat echt Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten. :-) Und wenn ihr auch Lust habt, mitzumachen, dann findet ihr den ursprünglichen Beitrag dazu hier: *KLICK*

Freitag, 17. November 2017

Neuzugänge

Es wird mal wieder Zeit, euch meine neuen Bücherbabies zu zeigen. Da ist wieder viel Schönes dabei. :-)

Rezensionsexemplare


- Ulrike Busch, "Mordsschwestern" (von der Autorin erhalten)
- Christina Talberg, "Nur ein Wort. Seulement une parole" (erhalten von "Spread and read")


Gewonnen


- Andreas Tjernshaugen, "Das verborgene Leben der Meisen" (gewonnen auf LovelyBooks)


Prämie


- Katrin Koppold, "Hoffnung auf Kirschblüten" (erhalten als Lesemeilen-Prämie von der Buchboutique)


Gekauft


- Katrin Bauerfeind, "Hinten sind Rezepte drin" (für 2,00 € bei Hugendubel)
- Caroline L. Jensen, "Frau Bengtsson geht zum Teufel" (für 0,50 € im Buchantiquariat)
- Marliese Arold, "Magic Girls - Hinter geheimnisvollen Türen" (für 0,30 € bei Tedi)
- Harry Luck, "Lachen und schießen" (für 1,00 € im 1-Euro-Shop)


Ertauscht


- Tom Hanks, "Uncommon Type" (für 5 Tickets bei Tauschticket - signiert!)
- Anna Pfeffer, "New York zu verschenken" (für 2 Tickets bei Tauschticket)
- Christine Drews, Sonntags fehlst du am meisten" (für 3 Tickets bei Tauschticket - signiert!)
- Luisa Binder, "Darf ich dir das Sie anbieten?" (für 1 Ticket bei Tauschticket)
- Johannes Böhmer, "Ich geh' Jobcenter. Erzählungen aus dem Alltag eines Arbeitsvermittlers" (für 3 Tickets)


Hach, sooooo viele schöne Bücher, findet ihr nicht auch?! <3 Kennt ihr schon was davon?

Mittwoch, 15. November 2017

Rezension: "Der Tiger in der guten Stube - Wie die Katzen erst uns und dann die Welt eroberten" von Abigail Tucker

Daten zum Buch:
erschienen am: 11. September 2017
Verlag: Theiss
ISBN: 9783806236477
304 Seiten
Preis: 19,99 € (HC)
Hier geht's zur Verlagsseite!

Zum Inhalt:
Katzen sind unsere liebsten Haustiere. Im Laufe ihrer gemeinsamen Geschichte mit uns wurden sie zu einer der erfolgreichsten Tierarten auf diesem Planeten. Und heute herrschen sie über Hinterhöfe, ferne antarktische Inseln und unsere Wohnzimmer … und einige sind zu Stars des Internets geworden, die höhere Klickzahlen erreichen als so manche Hollywood-Größe.

Aber wie haben Katzen diese Dominanz erreicht? Anders als Hunde haben sie für uns keinen praktischen Nutzen. Sie sind miserable Rattenjäger und gleichzeitig eine Bedrohung für viele Ökosysteme. Und doch lieben wir sie. Um unsere Hausgenossen besser zu verstehen, macht sich Abigail Tucker auf die Reise zu Züchtern, Umweltaktivisten und Wissenschaftlern. Profund und unterhaltend erzählt sie, wie diese kleinen Kreaturen ihre Beziehung zu uns Menschen genutzt haben, um zu einer der einflussreichsten Spezies der Erde zu werden.

Nach der Lektüre werden Sie unsere pelzigen Begleiter mit anderen Augen sehen und sich selbst womöglich auch.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Katzen - wie kann man sie bitteschön nicht lieben?! Ich jedenfalls bin ein großer Fan der putzigen Fellnasen. Außerdem liebe ich Hunde, und ich werde den Teufel tun und mich zwischen den beiden entscheiden, denn auch wenn sie - wie in diesem Buch mal wieder ganz klar gezeigt wird - total unterschiedlich sind, sind sie beide absolut liebenswert.

Aber wieso genau sind Katzen die vermutlich beliebtesten Haustiere der Welt? Wieso können wir Stunden damit verbringen, uns Katzenvideos anzuschauen? Warum lassen sich Katzenbesitzer von ihren Lieblingen wie Sklaven herumscheuchen? Und wie kommt es, dass Katze und Mensch früher Todfeinde waren und jetzt einträchtig auf der Couch schmusen? Diesen und vielen weiteren Fragen rund um die possierlichen Tiere geht Abigail Tucker nach, selbst Mutter mehrerer Katzen sowie zweier Töchter, deren erstes Wort "Katze" war.

In neun Kapiteln begleiten wir die Autorin auf ihrer Reise durch die Welt der Felidae. Tucker hat hier ausführlich recherchiert, hat weder Kosten noch Mühen gescheut und ist an verschiedene Orte der Welt gereist, um mit Forschern zu reden und Projekte zu besuchen. Man lernt hier wirklich wahnsinnig viel nicht nur über diese Tiere, sondern auch über uns Menschen (Spannend z. B., wie Raubkatzen früher unsere Entwicklung zum Fleischfresser beeinflusst haben.) und über andere Spezies, z. B. Beutetiere von Katzen.

Und so erfährt man nicht nur Liebenswertes über Katzen, sondern auch unschöne Tatsachen. Z. B. dass Katzen für das Aussterben zahlreicher Tiere verantwortlich sind. So hat Australiens Umweltminister der Katze in Australien, dem "Tsunami der Gewalt und des Todes", den Krieg erklärt, während in Key Largo Freiwillige verzweifelt um das Überleben der von wilden und Hauskatzen gejagten Key Largo-Waldratte kämpfen. Interessant fand ich auch, dass Hunde durchaus vegetarisch leben können, während eine fleischlose Ernährung für Katzen tödlich ist.

Man merkt der Autorin ihre große Liebe für Katzen an. Und sie versucht, die zahlreichen Fakten dem Leser unterhaltsam zu präsentieren. Dies gelingt ihr jedoch nur bedingt. So hatte ich öfter mal das Gefühl, dass ich eher eine wissenschaftliche Arbeit als Unterhaltungsliteratur vor mir habe. Dementsprechend würde ich auch sagen, dass der Schreibstil recht anspruchsvoll und vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Stellenweise lesen sich Tuckers Ausführungen sehr trocken und ziehen sich in die Länge. Ich bin mir nicht sicher, ob ein Buch, das für die breite Masse gedacht ist, so sehr in die Tiefe gehen muss.

Auch die recht zahlreichen Fußnoten brachten manchmal meinen Lesefluss ins Stolpern. Die dazugehörigen Anmerkungen hätten meiner Meinung nach besser ans Blattende auf der gleichen Seite gehört. So ist es ein nerviges Hin- und Herblättern zwischen Text und Anhang, es sei denn, man befasst sich einfach gar nicht mit den Fußnoten. Da aber teilweise noch weitere Erläuterungen dort zu finden sind, wollte ich sie nicht komplett ignorieren. Größtenteils sind dort aber nur Quellenangaben zu finden.

Das Buch ist hochwertig aufgemacht mit Pfotenabdrücken und anderen skizzierten Katzenmotiven. Das lockert etwas auf und ist hübsch anzusehen. Die 20seitigen Anmerkungen (Fußnoten) liefern massenhaft weiterführende Literatur für diejenigen, die es wirklich ganz genau wissen wollen. Vermisst habe ich jedoch Fotos, denn bei diesem Thema würde sich meiner Meinung nach weiteres Anschauungsmaterial bestens anbieten (z. B. Fotos diverser erwähnter Katzenarten oder Beutetiere, Statistiken, Landkarten o.ä.).

"Der Tiger in der guten Stube" bietet zahlreiche unterhaltsame und spannende Fakten über die Welt der Katzen. Für mich war es jedoch leider eine Spur zu trocken und wissenschaftlich.

3,5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Literaturtest.de für dieses Rezensionsexemplar!

Montag, 13. November 2017

Rezension: "Das Glück an Regentagen" von Marissa Stapley

Daten zum Buch:
erschienen am: 7. November 2017
Verlag: rowohlt Polaris
ISBN: 9783499291708
301 Seiten
Preis: 14,99 € (SC)
Hier geht's zur Verlagsseite!
Hier geht's zur Autorenseite!

Zum Inhalt:
Kurz vor der Hochzeit wird Mae von ihrem Verlobten sitzengelassen, zusammen mit einem Haufen Schulden, denn Peter hat in ihrem Namen hohe Gelder veruntreut und sich ins Ausland abgesetzt. Pleite, ohne Mann und ohne Wohnung kehrt sie an den einzigen Ort zurück, an dem sich noch willkommen fühlt: Alexandria Bay. Hier ist sie bei ihren Großeltern aufgewachsen, die immer für sie da waren, auch und besonders nach dem tragischen Tod ihrer Eltern.

Doch die Rückkehr ist auch mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden, denn hier hat ihr ihre große Liebe Gabe einst das Herz gebrochen und sie verzweifelt zurückgelassen. Außerdem haben sich ihre Großeltern während ihrer Abwesenheit verändert. Großmutter Lilly scheint sich immer mehr selbst zu vergessen, Großvater George ist aus dem Haus geflüchtet. Und dann taucht auch noch der frisch geschiedene Gabe wieder in Alexandria Bay auf. Alte Wunden werden aufgerissen und lang gehütete Geheimnisse kommen ans Tageslicht.

Meine Meinung:
Die Kapitel sind aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben. Die vier Hauptfiguren sind Mae, Gabe, Lilly und George. Es gibt etliche Rückblicke, z. B. in Maes Kindheit, als ihre Eltern noch gelebt haben, aber auch in die Jugendzeit ihrer Großeltern während des zweiten Weltkrieges. Das macht die Geschichte manchmal etwas unruhig, da ständig zwischen Orten, Personenkonstellationen und Zeiten gewechselt wird. Das fordert dem Leser einiges an Konzentration ab, und man setzt nach und nach selbst das Puzzle rund um Mae und ihre Familie zusammen.

Die Figuren werden detailliert gezeichnet, und durch die unterschiedlichen Sichtweisen ergibt sich nach und nach von jedem ein Gesamtbild. Ich persönlich fand Gabe und George sympathischer als Lilly und Mae. Lilly tat mir zwar einerseits leid, da sie immer dementer wurde und der Verlust ihrer Tochter sie gezeichnet hat, aber sie trägt so viele Geheimnisse mit sich herum und hat dadurch so viel Leid angerichtet, dass ich sie nicht mögen konnte. Obwohl Mae der gemeinsame Nenner und die bemitleidenswerte, da betrogene Hauptfigur ist, blieb sie irgendwie farblos und konnte mich nicht abholen. Wieso sie Peter, den sie augenscheinlich noch nichtmal liebte, heiraten und mit ihm eine Familie gründen wollte, weiß der Geier. Sie ist eher der "Kopf in den Sand"-Typ und lässt alles auf sich zukommen.

Überhaupt ist es das, was die Figuren am Besten können: Dinge in sich hineinfressen und vor Konfrontationen davonlaufen. Hier wird viel Geheimniskrämerei betrieben. Jeder trägt etwas mit sich herum, teilweise -zig Jahre lang. Und man lernt nichts daraus, denn es werden auch weiterhin neue Erkenntnisse verschwiegen. Ja, die Wahrheit kann oft weh tun, aber wie hier alle umeinander herumeiern und sich wirklich wichtige Dinge verschweigen, die ausgesprochen auch einiges an Irrungen, Wirrungen und Leid erspart hätten, ist nur schwer erträglich.

Jedes Kapitel wird mit einem Punkt aus der Liste von Maes Mutter Virginia, was man an einem Regentag machen kann, eingeleitet. Dies ist zwar eine charmante Idee, wird aber in der Geschichte nicht weiter aufgegriffen, trägt also nichts weiter zur Handlung bei. Man kann sie letztlich für sich selbst als nette Anregung für Regentage nutzen, wobei einige Tipps ganz speziell auf Alexandria Bay und Umgebung gemünzt sind.

Der Schreibstil ist flüssig zu lesen. Generell hat die Geschichte jedoch eine Schwermut, die sich durch das ganze Buch zieht und mich beim Lesen nie so richtig losgelassen hat. Tatsächlich ist an ein, zwei Stellen ein Tränchen über die Wange gerollt, aber ansonsten blieb ich von den Charakteren und der Geschichte eher unberührt.

Der Epilog war mir persönlich dann zu süßlich und hätte nicht sein müssen. Mehr kann ich aber nicht verraten, da ich sonst spoilern würde. 

Alles in Allem ist "Das Glück an Regentagen" nicht ganz leicht verdauliche, jedoch kurzweilige Lesekost mit blassen Charakteren, die mich leider nicht abholen konnte. 

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an die Buchboutique und den Rowohlt-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 12. November 2017

Buch-Zitat des Tages

aus: "Der Tiger in der guten Stube. Wie die Katzen erst uns und dann die Welt eroberten" von Abigail Tucker (S. 42)

>>>

Vielleicht erinnert uns ein Tiger, der auf unserem Schoß schnurrt oder in unserem Wohnzimmer herumtobt, daran, dass wir uns die Natur untertan gemacht haben, sie vollständig kontrollieren. Vielleicht ist es aufschlussreich, dass einer der wenigen Plätze auf der Welt, wo Hauskatzen keine populären Hausgenossen sind, Indien ist, gleichzeitig auch eine der seltenen Regionen, wo Großkatzen noch immer wirklich Schaden anrichten.

Es gibt jedoch auch Argumente, die dafür sprechen, dass die Familie Felidae tatsächlich unbesiegt bleibt und Katzen noch immer an der Spitze stehen und das Sagen haben. Ja, menschenfressende Löwen haben abgedankt, doch die bescheidene Hauskatze hält im neuen Jahrtausend denselben königlichen Anspruch aufrecht.

Denn trotz all ihrer Kraft und ihres Muts haben es Löwen niemals auch nur annähernd so weit in die Welt gebracht. Die Hauskatze hat Fuß gefasst von der Arktis bis nach Hawaii, hat Tokio und New York übernommen und den gesamten australischen Kontinent erstürmt. Und irgendwo unterwegs hat sie das kostbarste und bestgehütete Territorium auf diesem Planeten eingenommen: die Festung des menschlichen Herzens.

                                                                                                                                                            <<<

Samstag, 11. November 2017

Rezension: "Willkommen bei den Friedlaenders! - Meine Familie, ein Flüchtling und kein Plan" von Adrienne Friedlaender

Daten zum Buch:
erschienen am: 11. September 2017
Verlag: blanvalet
ISBN: 9783764506254
224 Seiten
Preis: 16,00 € (HC)
Hier geht's zur Verlagsseite!

Zum Inhalt:
Als die große Flüchtlingswelle Deutschland erreicht, sitzen die Journalistin Adrienne Fiedlaender und ihre Söhne vor dem Fernseher und fragen sich: "Warum nehmen wir nicht einfach einen dieser Flüchtlinge bei uns auf?" Gesagt, getan, und schon nach kurzer Zeit zieht der 21-jährige Syrer Moaaz bei ihnen ein.

Von nun an gilt es, Moaaz den deutschen Alltag und die Eigentümlichkeiten der Westeuropäer näher zu bringen, ihn zu integrieren und auf ein eigenständiges Leben in seiner neuen Heimat vorzubereiten. Doch auch die Friedlaenders können noch viel von ihrem neuen Familienzuwachs lernen.

Meine Meinung:
Zusammen mit ihren vier Söhnen beschloss die alleinerziehende Mutter Adrienne Friedlaender eines Tages spontan, ganz aktiv Flüchtlingshilfe anzubieten, indem sie einen Flüchtling in ihre Familie holt. In "Willkommen bei den Friedlaenders!" erzählt uns die Journalistin nun von dem siebenmonatigen Aufenthalt des Syrers Moaaz in ihrem Haushalt.  

Erwartungsgemäß treffen hier natürlich zwei Welten aufeinander. Mehr als einnmal muss die Autorin ihrem Ziehsohn erklären, wie die Deutschen ticken. Und mehr als einmal lernt sie wiederum von diesem, dass die Westeuropäer manches vielleicht einfach etwas lockerer handhaben sollten.

Wobei Moaaz eigentlich schon fast als Vorzeige-Flüchtling bezeichnet werden kann. Entgegen aller Befürchtungen zeigt er sich von Anfang an als höflich, tolerant und anpassungsfähig, so dass es nicht zu größeren Unstimmigkeiten kommt. Das Zusammenleben klappt ganz gut, Moaaz wird als großer Bruder von Adriennes Söhnen sofort freudestrahlend aufgenommen, und die Autorin zeigt sich erfreut über die Hilfsbereitschaft ihres Ziehsohnes, der sich im Gegensatz zu ihrer eigenen Nachkommenschaft nicht wie ein verwöhntes Muttersöhnchen gebärt, sondern auch unaufgefordert im Haushalt hilft und seiner Ziehmutter gegenüber Respekt erweist.

Generell fand ich die Autorin sehr sympathisch. Ich bin jedoch etwas zwiegespalten. Fakt ist, dass Adrienne Friedlaender und ihre Söhne den syrischen Flüchtling Moaaz für über ein halbes Jahr in ihrem Haus aufgenommen, ihn als Teil ihrer Familie akzeptiert und ihm somit den Einstieg in sein neues Leben in Deutschland extrem erleichtert haben. Das verdient Anerkennung, denn mal ehrlich - wie viele Menschen würden so etwas bedenkenlos tun?

Andererseits hatte es für mich immer einen fahlen Beigeschmack, dass die Autorin Journalistin ist. Auch wenn ich ihr jederzeit abgekauft habe, dass sie Moaaz wirklich gerne hat und er ihr immer wichtiger wurde, so bin ich mir nicht sicher, ob sie ihn auch aufgenommen hätte, wenn sie das Erlebnis nicht auch beruflich hätte nutzen können. Mag sein, dass ich ihr damit Unrecht tue, aber dieser Hintergedanke schwang beim Lesen ständig mit.

Es geht hier übrigens nicht nur um Moaaz und die gemeinsamen Erlebnisse während der Zeit des Zusammenlebens. Die Autorin reflektiert auch viel über gesellschaftliche Zustände, Eigenheiten der Deutschen sowie über ihr eigenes (Familien-)Leben. Denn sie merkt schnell, dass ihre Söhne eigentlich total verzogen sind und die Mutter vor allem als Versorgerin sehen. Das egoistische Verhalten ihrer Kinder der Mutter gegenüber hat mich tatsächlich etwas gestört, und stellenweise hat sie mir echt leid getan. Da war das respektvolle Auftreten von Moaaz ihr gegenüber eine echte Wohltat.

Interessant sind natürlich die vielen kleinen Erlebnisse während des siebenmonatigen Aufenthaltes im Friedlaender'schen Haushalt. Allerdings sind diese Ereignisse recht unspektakulär und schnell abgehandelt. Die Integration in der gehobenen, aufgeklärten Gesellschaftsschicht, in der sich die Familie meist bewegt, klappt recht problemlos. Alle sind offen und tolerant. Das ist schön, so soll es sein, aber es ist - mit Verlaub - auch ein bisschen fade.

Moaaz selbst erzählt Adrienne ein bisschen über sein Leben in Syrien, hält sich ansonsten bedeckt und erzählt auch nichts von der Flucht selbst und den schlimmen Erlebnissen, die damit verbunden sind. Vermutlich sind die Erinnerungen daran zu schmerzhaft. Das ist auch ok, man muss sich nicht durch das Elend Anderer unterhalten lassen. Es hätte sogar nicht so recht gepasst zu dem eher flapsigen Schreibstil der Autorin. Aber durch das ständige Mauern von Moaaz fand ich leider keinen Zugang zu dem jungen Mann. Moaaz zieht dann auch aus eigenem Wunsch nach sieben Monaten mit einem Freund in eine eigene Wohnung. Der Kontakt zu den Friedlaenders ist weiterhin eng und liebevoll, aber nach so einer kurzen Zeit hatte ich nicht das Gefühl, dass sich hier echte Familienbande entwickelten und es doch eher bei einer Art Experiment geblieben ist.

Alles in allem ist "Willkomen bei den Friedlaenders!" ein kurzweiliger Einblick in das Leben einer deutschen Familie mit einem syrischen Flüchtling, der ganz unterhaltsam ist, aber bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!